Dass bereits kurze Ausschnitte von Fitness-Videos auf Social Media die eigene Körperwahrnehmung verändern können, belegt eine Studie aus Australien. Daran nahmen mehr als 280 Männer im Alter von 17 bis 30 Jahren teil. Die Forschenden zeigten ihnen jeweils drei Minuten lang verschiedene Arten von Social-Media-Inhalten:
- Fitness- und Trainingsvideos
- Werbung für Nahrungsergänzungsmittel
- Videos mit alternativen Inhalten wie etwa Reisevideos
Die Teilnehmenden sollten danach ihre
- Fitness,
- Ernährung und
- die Absicht, muskelaufbauende Substanzen zu verwenden, bewerten.
Das Ergebnis: Nach dem Konsum von unrealistischen Inhalten zur Fitness und Nahrungsergänzungsmitteln waren die Teilnehmenden unzufriedener mit ihrem eigenen Körper. Gleichzeitig stieg ihr Interesse an Produkten wie Kreatin.
Besonders auffällig: Scheinbar „neutrale“ Trainingsvideos hatten einen stärkeren Effekt auf die Motivation, muskelaufbauende Produkte zu kaufen als Videos, die gezielt Werbung für Nahrungsergänzungsmittel machten.
Unterrichtsimpuls: #Fitspiration reflektieren
Der Hashtag „Fitspiration“ auf Social Media setzt sich aus „Fitness“ und „Inspiration“ zusammen und beschreibt Inhalte, die zu mehr Bewegung motivieren sollen. In der Praxis vermitteln sie jedoch oft ein sehr einseitiges Bild.
1. Einstieg:
Stellen Sie mit den Schülerinnen und Schülern die Situation der Studie nach: Zeigen Sie
- Fitness-Videos mit idealisierten Darstellungen
- Videos, die Werbung für ein Produkt wie Kreatin machen
- Videos mit neutralen Inhalten
Die Schülerinnen und Schüler werden aufgefordert, nach dem Ansehen der Videos zu reflektieren, ob sie sich gut oder eher schlecht fühlen, was ihr
- eigenes Aussehen und
- ihre Ernährung betrifft.
Außerdem sollen sie reflektieren, ob sie Nahrungsergänzungsmittel kaufen würden. Für diese Aufgabe könnten zum Beispiel farbige Smileys genutzt werden, die auf einem Flipchart oder Arbeitsblatt neben den Titel des jeweiligen Videos geklebt werden.
2. Diskussion
Diskutieren Sie die Ergebnisse: Welche Inhalte wirken positiv, neutral oder negativ auf das eigene Körperbild, die Ernährung und die Bereitschaft, Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen? Erklären Sie, durch welche Mittel diese Videos perfekt wirken:
- Viele Bilder in Social Media sind bearbeitet, etwa mit Filtern für eine perfekte Haut oder mit Tools, die Körper formen können.
- Bestimmte Posen, Winkel oder spezielles Licht können schnell ein paar Kilos, Cellulite oder Dehnungsstreifen weg- oder ein Sixpack und mehr Bizeps hinzaubern.
- Viele Influencerinnen und Influencer haben viel Zeit für Training und Aussehen, weil es ihr Job ist.
- Schlussfolgerung: Was wir sehen, sieht zwar ideal aus, es entspricht aber oft nicht der Realität.
Außerdem könnten sich die Schülerinnen und Schüler folgende Fragen stellen:
- Welche Körperbilder werden als „Ideal“ dargestellt?
- Welche Körperformen kommen kaum vor?
- Was definiert eigentlich Fitness und Gesundheit? Bei näherer Betrachtung ist es nicht ein bestimmtes Aussehen oder eine Körperform.
- Erreiche ich mit übertriebenem Training das Ziel, gesund und zufrieden zu sein?
3. Medienkompetenz stärken
In Gruppen entwickeln die Schülerinnen und Schüler Strategien dazu, wie sie Inhalte kritisch hinterfragen können. Ziele:
- eigene Vergleiche mit Influencerinnen und Influencern bewusst reflektieren
- erkennen, dass es verschiedene Körperformen gibt und keinen perfekten Körper
- Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln überprüfen
Unsere Quelle
Beos, N. et al.: The impact of fitness and supplement TikTok content on body, nutrition and fitness satisfaction, and intentions to use muscle-building substances in young men. Erschienen 2026 im Fachmagazin “Body Image”.
Link zur Studie: The impact of fitness and supplement TikTok content on body, nutrition and fitness satisfaction, and intentions to use muscle-building substances in young men - ScienceDirect