Eine Frau mit Stethoskop macht ein Video für Social Media.

Falsche Gesundheitsinfos auf Social Media: Ein aktueller Fall für den Unterricht

YouTube, Tiktok, Instagram: Jugendliche informieren sich zu Gesundheitsthemen häufig über Soziale Medien. Dort erklären unter anderem Medfluencer medizinische Inhalte auf einfache und verständliche Weise. Ein Experiment des YouTubers Marvin Wildhage zeigt jedoch, dass einige es dabei mit dem Faktencheck nicht so genau nehmen. Für Lehrkräfte bietet die Videoreihe einen aktuellen Anlass, die Bewertung von Gesundheitsinformationen im Netz aufzugreifen.

 

Medfluencer, kurz für Medizin-Influencer, berichten in den Sozialen Medien über Gesundheit, Krankheiten und medizinischen Themen. Sie erreichen damit teilweise mehrere Millionen Menschen. Viele der Medfluencer geben an, einen medizinischen Hintergrund zu haben oder sind selbst Ärztinnen oder Ärzte, studieren Medizin, arbeiten in der Pflege oder in anderen medizinischen Berufen. Zur Kommunikation verwenden sie oft Requisiten wie Arztkittel oder Stethoskop. Ob sich hinter einem Account jedoch seriöse Gesundheitsinformationen verbergen, ist auf den ersten Blick häufig schwer zu erkennen. 

In einer mehrteiligen Videoreihe hat der YouTuber und Journalist Marvin Wildhage deutschsprachige Medfluencer auf die Probe gestellt: Würden diese eine ausgedachte medizinische Krankheit und passende Medizinprodukte bewerben, wenn die Bezahlung stimmt?

Werbung für erfundene Medizinprodukte

Wildhage berichtet im ersten Video der Reihe darüber, wie er versucht, Aufmerksamkeit für die erfundene Krankheit Post-viral nasal hypersensitivity (kurz: PVNH) zu erzeugen. Zu den angeblichen Symptomen gehört eine anschwellende Nase, ähnlich wie bei Pinocchio.

Wildhage und sein Team erfinden nicht nur die Krankheit, sondern auch eine Pharmafirma. Auf der Website verstecken sie mehrere Hinweise auf den Fake, etwa im Impressum. Dennoch berichtet eine bekannte Medfluencerin über die Erkrankung und verlangt dafür ein vierstelliges Honorar. Sie gibt an, selbst von PVNH betroffen zu sein und im Medizinstudium davon erfahren zu haben. In zwei weiteren Videos erfindet Wildhage Medizinprodukte und verleiht ihnen einen professionellen Auftritt. Zwei Medfluencer bewerben die Fake-Produkte gegen Geld auf Instagram.

Der Fall entfachte medial eine große Debatte um die Seriosität von Medfluencern und die Regulation von Gesundheitsinformationen auf Social Media. Auch im Bundestag soll die Problematik erneut thematisiert werden, nachdem es Anfang des Jahres bereits eine kleine Anfrage mit dem Titel „Gesundheitsbezogene Fehlinformationen durch „Medfluencer“ gegeben hatte.

Gute Gesundheitsinformationen im Netz erkennen

Die Videoreihe bietet einen idealen Anlass, um mit Schülerinnen und Schülern über vertrauenswürdige Informationen zu Gesundheitsthemen in den sozialen Medien zu sprechen. Unsere Checkliste "Wie finde ich gute Gesundheitsinfos im Netz?" liefert Schülern und Schülerinnen Antworten auf folgende vier Fragen:

  1. Worauf solltest du achten, wenn du im Internet nach Gesundheitsinformationen suchst?
  2. Was sollte eine gute Gesundheitsinformation enthalten?
  3. Wie sollte eine gute Gesundheitsinformation geschrieben sein?
  4. Was sollte eine Webseite enthalten?

Die Checkliste hilft dabei, Gesundheitsinformationen in glaubwürdig und weniger glaubwürdig einzuteilen und steht als PDF zum Download bereit. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite “Gute Gesundheitsinformationen erkennen” auf clever.gesund.

Unterrichtsimpuls: Würdest Du den Fake erkennen?

Zeigen Sie Ihrer Klasse ausgewählte Ausschnitte aus Videos, Websites oder Social Media Profilen. Dabei sollten einige der Inhalte richtige Informationen enthalten und andere erfundene oder falsche Fakten. Hierzu können auch die Websites und Social Media Accounts der obengenannten Fakeprodukte herangezogen werden, die weiterhin online aufrufbar sind. Stellen Sie den Fall zunächst ohne Auflösung vor. Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler anschließend in Kleingruppen überlegen: Welche Hinweise könnten dafürsprechen, dass mit der angeblichen Krankheit oder dem Produkt etwas nicht stimmt? 

 Im zweiten Schritt können die Gruppen die Website, Aussagen oder Screenshots mithilfe der clever.gesund-Checkliste „Wie finde ich gute Gesundheitsinfos im Netz?“ untersuchen. Anschließend vergleichen sie ihre Ergebnisse: Welche Warnsignale waren leicht zu erkennen? Welche Informationen hätten sie zusätzlich recherchiert? Und verändert eine medizinische Ausbildung oder ein professioneller Auftritt ihre Einschätzung?

 Zum Abschluss können die Jugendlichen drei Regeln formulieren, die sie künftig anwenden möchten, wenn ihnen Gesundheitsinformationen auf TikTok, Instagram oder YouTube begegnen.

 

Passend dazu bietet clever.gesund weitere Unterrichtsmaterialien zur digitalen Gesundheits- und Medienkompetenz an: www.clever-gesund-info.de/lehrkraefte/unterrichtsmaterialien/unterrichtsmaterial-gesundheit#c125014

 

Unsere Quellen:

YouTube Video: Influencer werben für meine erfundene Krankheit, Marvin Wildhage, 19.07.2026

YouTube Video: Medizin-Influencer wirbt für mein FAKE-PRODUKT, Marvin Wildhage, 26.07.2026

YouTube Video: Influencerin wirbt für mein Fake-Medikament, Marvin Wildhage, 31.07.2026

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